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Maketenderin 2013

 

 

„Wir sind die Stadtpfeifer –

und du bist jetzt staad!“ Ein Rückblick.

 

Ja, unsere Gruppe ist bekannt für ihre klaren Worte und ihre noch klareren, stets reinen Fanfaren- und Flötentöne. Doch wer sind die Stadtpfeifer eigentlich?

Die Gerüchte wissen von zehn jungen Musikstudenten aus München, die ihre Stücke selber schreiben und (vollzählige Anwesenheit zu den Auftritten vorausgesetzt!) sogar meistens selber spielen.

Was sich im Januar im Keller des ehrwürdigen Maristenklosters zu Furth zusammenfand, sah aber noch nicht nach einer Gruppe der Landshuter Hochzeit aus: Zu lange oder zu kurze Haare, Wikingerbärte und schwere Müdigkeitsanfälle ließen ein Auftreten bei der LaHo 2013 zunächst unwahrscheinlich erscheinen.

Der Gruppenführer informierte als Erstes über den gewichtigen Unterschied zwischen Prinzipal- und Clarintrumeten und ließ sich von unfachmännischen Kommentaren („Ja, aber wia hoit ma an etz des Drum eigentlich?“) niemals aus der Ruhe bringen. Unterstützt von unserem Co-Trainer Martin Stefani lernten wir, die Töne richtig in die Fanfare reinzustopfen und vorne in der gewünschten Dosierung wieder herauszulassen.

Nachdem auch die Vorstellung im Zeughaus keine Opfer forderte (alle Gruppenhippies hatten ihr Haupthaar auf die vorgeschriebene Länge gekürzt), gab es kein Zurück mehr. Auch wenn mancher bei der Kostümausgabe nicht schlecht staunte, was die Menschen im Mittelalter freiwillig für peinliche Hüte trugen, nahmen wir mit Stolz unsere edlen Stadtpfeiferroben in Empfang – die Vorfreude wuchs ins Unermessliche.

Die Aufführungen der LaHo waren dann auch so facettenreich und bunt wie die Kostüme der Stadtpfeifer. Rekordverdächtige Leistungen wie die zwölffach wiederholte Ungaresca, das fünfminütige Fanfaren- und Flötenmedley oder das gleichzeitige Aufführen zweier verschiedener Stücke mit einem sehr ähnlichen Titel wurden dabei erbracht.

Leider waren aber auch einige Ausfälle zu beklagen. Ein Platz in unserer Gruppe blieb bei den Aufführungen leider leer. Trotzdem waren wir in Gedanken bei unserem fehlenden Gruppenmitglied, dessen Entscheidung wir alle verstanden und mitgetragen haben.

Egal wie groß die Aufregung um manch andere „Katastrophen“ war, letztendlich waren sie ja nur Kleinigkeiten, die sich meist von selbst lösten. So kam es im Gündlkofener Bus zu einer glücklichen Wiedervereinigung eines Stadtpfeifers mit einem verlorenen Tambourin, das zuvor für eine schlaflose Nacht gesorgt hatte. Selbst im Eifer des Gefechts abgebrochene Sticks konnten uns nicht wirklich bremsen, genauso wenig wie eine entführte Fanfare. Denn nach dem Zigeunerlied waren alle Gesichter wieder froh. Bis zum Schluss der LaHo rechneten wir allerdings damit, unseren Chris gegen vielleicht angreifende Zigeunerhorden verteidigen zu müssen. Aber auch dieser Fall trat nicht ein. Nicht einmal der gefährliche Sonnenstich oder eine hinterhältige Sommergrippe konnte die Gruppe dauerhaft schwächen.

Wem haben wir das zu verdanken? Einmal natürlich den Urgesteinen der Gruppe, darunter unserem Gesangstalent Kone, unserem Matthias, der trotz seiner jungen Jahre schon ein alter Hase ist, unserem Wolfgang, den nicht einmal die Doppelbelastung von LaHo-Auftritten und Kinderbetreuung aus der Ruhe brachte. Und natürlich unserem Wasti, der praktisch jeden Kartenwunsch, egal wie kurzfristig, zuverlässig zu erfüllen wusste und sich außerdem als Gig-Ausmacher den Rang eines Ehren-Managers verdient hat. Und trotzdem funktioniert die beste Gruppe nicht ohne Gruppenführer. Rudi hat uns in allen Situationen sicher durch den Dschungel der Veranstaltungen, Termine, Standerl und sonstigen Sonderwünsche unseres Publikums gelotst. Dafür sei hier noch einmal ein großes Dankeschön gesagt!

Das alles wäre aber auch ohne die richtige Verpflegung nicht möglich gewesen. Abend für Abend duftete es in der Bude nach allerlei Köstlichkeiten – für die hervorragende Versorgung möchten wir uns an dieser Stelle bei allen Beteiligten herzlich bedanken! Und weil für manche Mitglieder der Gruppe drei warme Mahlzeiten am Tag manchmal einfach zu wenig sind, kehrten wir gelegentlich noch im Café Stauner ein, das exklusiv zur LaHo für ausgewählte Ehrengäste seine Tore geöffnet hatte. Dank Thorsten unterhielten wir auch beste Kontakte zur Landshuter Gastronomieszene. Insgesamt ging es uns so gut, dass wir Essensangebote von Außenstehenden mit einem überlegenen „Jetzt hau ab mit deim Glump“ jederzeit ablehnen konnten. Außerdem: Wer selbst den Weihwasserkessel mit Schnaps gefüllt hat, der lebt im Überfluss.

Entscheidend zum Gelingen der Aufführungen trug aber auch das hervorragende Wetter bei. Spätestens ab dem dritten Wochenende konnte sich unsere Gruppe sogar mit einem braungebrannten Quoten-Türken schmücken. (Erkennbar auch am typisch orientalischen Namen Görgenhuber, der während der LaHo noch namensgebend für den McGörki wurde.)

Gut vernetzt – innerhalb des Festes, national sowie international – sind die Stadtpfeifer sowieso. Zu unserer Partnergruppe, den Stadtknechten, unterhielten wir hervorragende Kontakte. Auftritte auf der Showbühne, die ursprünglich nur für Edelfans gedacht waren, wurden von wahren Gästescharen verfolgt. Und es gibt praktisch kein europäisches Land, in dem wir keine Fans haben. Wir spielten für Gäste aus Frankreich, Italien, England und sogar Nordrhein-Westfalen. Wenn unsere Zuhörer persönlich nicht anwesend sein konnten, wurde einfach eine Telefonkonferenz organisiert. Äußerst hilfreich waren dabei die Sprachkenntnisse unseres Gruppenseniors, dessen sprachliche Bandbreite Grußworte in insgesamt acht ausländischen Mundarten umfasst – von „Dschin dobre“ bis „Dschon borno“, äh, „Buon giorno“. Am meisten hat das wohl den Bischof aus Rom gefreut, der am Portal der Martinskirche seinerseits mit perfekten Deutschkenntnissen beeindruckte.

Momente wie dieser werden wohl in Erinnerung bleiben. Auch unser Publikum bitten wir, uns nicht zu vergessen. Wir sind schließlich die erste Musikgruppe im Hochzeitszug, die erste Gruppe, die mit dem Abriss des Zehrplatzes beginnt, die einzige Gruppe, die ihr enormes musikalisches Talent gleichmäßig auf zwei Instrumente verteilt (Flöten und „de Dosn“), die einzige Gruppe, die keinen Gruppenführer, sondern einen Capo di gruppo hat – und wir freuen uns auf die Aufführung 2017. Bis dahin wünschen wir vier schöne Jahre und viele sonnige Sonntage!