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Maketenderin 2009

Veröffentlichung des Tagebucheintrags vom 20. Juli 2009

Liebes Tagebuch,

Nun ist es soweit, der Tag des Abschieds ist gekommen. Wir schreiben das Jahr 2009 und das historische Fest schliesst seine Pforten für weitere vier Jahre. Warum kommen die Gäste - oder soll ich besser sagen zahlende Touristen - und vor allem die Mitwirkenden nur alle vier Jahre in den Genuss eines solchen, über alle Massen hinaus grossartigen Events?

Der Grund ist wohl einzig und allein die Tatsache, dass alle Sub- und auch Objekte derartige Strapazen nur alle vier Jahre ertragen können, wenn sie ein vorzeitiges Ableben vermeiden wollen. Die Strapazen (angenehmer Natur natürlich) verteilten sich jedes Wochenende in gleichem Masse auf die drei magischen Tage: Freitag, Samstag und Sonntag.

Freitag war der schönste und stressfreiste Tag... Treffpunkt war 18 Uhr, voller Vorfreude auf das bevorstehende Wochenende trafen die 11 Stadtpfeifer und die Marketenderin (meine Wenigkeit) am Stadtpfeifer-Kammerl aufeinander. Die Stimmung war gut, das erste Bier wurde geschlürft und schon ging's los zum ersten Gig des Abends: die musikalische Begleitung der Ritter bei ihren Kämpfen... Hoffentlich verletzt sich da niemand!!! Warum müssen Männer ihre Kräfte immer gewaltsam zur Schau stellen?? Wo leben wir denn? Im Mittelalter? Ähm... stimmt ja...

Bald darauf gab es Essen, das von einer lieben Stadtpfeifer-Mutti täglich frisch geliefert wurde. Das war jedes Mal so lecker, dass wir es immer vehement vor den neidischen Blicken anderer Mitwirkenden schützen mussten... Ein Dank an dieser Stelle nochmal an die super Köchin!!

Essen ist natuerlich auch mit Geschirr und Abwasch zu assoziieren und hier komme ich ins Spiel. Nach dem Festmahl stand der Abwasch an... Fast täglich fand sich hier ein freiwilliges Helferlein, das mir beim Abtrocknen half; somit wurde diese lästige Arbeit immer zu einem kleinen Highlight ;-) Auch in einem Spuelcontainer kann man(n) über sich hinauswachsen... Vielen vielen Dank vor allem an Christian, Flo und Christoph!!! (Alle anderen sollten den Grundsatz "Frau gehört hinter den Herd (incl. Abwasch)" nicht ganz so aktiv leben, nur ein kleiner Tipp am Rande...)

Danach begann der gemütliche Teil des Abends... Wir versüssten (hoffentlich!) mit unseren Flöten-und Fanfarenklängen so einigen Besuchern den Abend, ganz unverbindlich und ohne feste Verpflichtungen... Nicht selten ergaben sich dabei auch neue Besetzungen, indem sich der ein oder andere Musiker unter eine andere Musikgruppe mischte. Um elf verliessen bereits die ersten angestrengten Seelen das Lager, um in der wohlverdienten Nachtruhe, neue Kraft für den nächsten Tag zu tanken. Für uns war der Abend da natürlich noch längst nicht vorbei... Die Landshuter Altstadt war bis in die frühen Morgenstunden voll von feierwütigen, mittelalterlich gekleideten, jungen oder älteren Mitwirkenden, die gemeinsam das Fest mit Kuba und Wein zumindest für diesen Tag ausklingen ließen.

Wie schwer fiel es uns dann aber, am nächsten Tag aufzustehen!!! Gott sei Dank trafen wir uns samstags erst um 13 Uhr... Nach ein paar Stündchen Schlaf ist man dann trotz Kater einigermassen fit, um die bevorstehenden Verpflichtungen erfolgreich über die Bühne zu bringen. Los ging es mit dem Einzug der Stadtknechte vom Lager in die Altstadt, die von uns Stadtpfeifern musikalisch begleitet wurden. Anschliessend stand hartes Arbeiten auf dem Programm, was hieß: Ständchen spielen, Ständchen spielen, Ständchen spielen... Denn rein durch diese Ständchen konnten wir unser täglich Brot (und Kuba) mit dem ein oder anderen Mittelaltertaler finanzieren... Die Cafes machten durch unsere musikalische Umrahmung mehr Umsatz (wenn wir nicht zu schräg spielten) und sowohl der Cafè-Besitzer, als auch wir Stadtpfeifer profitierten von diesem gegenseitigen Deal... An dieser Stelle möchte ich trotzdem betonen, dass wir Musiker aus Leidenschaft sind und nicht aus materiellem Interesse Musik machen... (natürlich!!!!)

Ab 18 Uhr füllte sich nach dem Altstadttreiben nach und nach der Lagerplatz mit Touristen und Mitwirkenden... Dann: selbe Szene wie am Freitag... CUT!

Und schon ist Sonntag... Der Einmarsch der Stadtknechte fand am 7. Tag der Woche schon um 9 Uhr statt... (ächz, krächz, Stimme weg, Kater, nicht geschlafen, aaaaah, Kopfweh... Oh Gott, wie soll ich das nur durchstehen!!!) Dann Ständchen und ab 13.30Uhr Aufstellung zum Umzug. Der Sonntags-Umzug war so gut besucht, dass wissende Besucher bereits ab 8 Uhr morgens ihre Bierbaenke aufstellten und sich die besten Plätze sicherten. Zum Umzug kamen sogar Grössen wie Horst Seehofer, seines Zeichens bayerischer Ministerpräsident oder Gerhard Polt.

Spannungsgeladen warteten sowohl die Besucher als auch wir auf die magischen Klänge der Böllerschützen, die das Zeichen zum Start gaben...

3...

2...

1...

PENG!!!

Um Punkt 14 Uhr (nach Martinskirchischer Uhr) setzte sich der riesige Mittelalterzug an allen vier Sonntagen in Richtung Altstadt in Bewegung... HAAAAAALLOOOOOOOOOOOOO, HIMMEL LANDSHUT, TAUSEND LANDSHUT, HAAALLOOOOOOOO!!! Ueberall hoerte man diese Schlachtrufe... Die Landshuter Altstadt war wie verzaubert und der Umzug ist wohl einer der Gründe, warum die Mitwirkenden am Virus "Ich muss bei der Landshuter Hochzeit mitmachen, koste es was es wolle" leiden und nicht mehr davon loskommen...

Wir Stadtpfeifer sind die 1. Musikgruppe im Zug und beschreiten den Weg Altstadt-Neustadt-Altstadt feierlich und voller Musik... Meine Aufgabe war es dabei, meine Männer mit Wein zu versorgen, damit sie nicht austrocknen... Dank des Gewichts des Kruges, der in gefülltem Zustand wohl ueber 5 Kilo wog, wuchs mein Bizeps von Wochenende zu Wochenende immer mehr an (allerdings nur der rechte, da mein linker zu schwach war, um den Krug zu tragen)... Ist Asymmetrie eigentlich ein Schönheitsmakel?

Die Ritterspiele, gemütliches Musizieren und ein weiteres Festmahl füllten schliesslich den Rest des Sonntags und schon war ein weiteres Wochenende vorbei...

Heute schreiben wir den 20. Juli 2009 und seit gestern ist sie vorbei fuer dieses Mal... die Landshuter Hochzeit! Mit einem Kloss im Hals verliess ich am gestrigen Sonntag Abend zum letzten Mal das Lager und als ich mich ein letztes Mal umdrehte, die mittelalterlichen Klänge, die Fröhlichkeit der Menschen und den Zauber dieses Festes noch einmal tief einatmete, verabschiedete ich mich mit Tränen in den Augen: "Himmel Landshut, Tausend Landshut! Wir sehen uns wieder, 2013!"